Geschichte des Tagebaus Nochten

Die Lagerstätte Nochten wurde bereits in den 1950er Jahren erkundet. Dabei wurden Kohlevorräte von insgesamt 1.400 Mio. t festgestellt, die für die Verwendung im VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe und im Kraftwerk Boxberg geeignet waren. Ab 1960 begann durch den VEB Energiekombinat Schwarze Pumpe die Aufschlussentwässerung, 1968 konnte mit der Freilegung der Kohlenflöze begonnen werden. 1973 wurde südlich von Mühlrose der Kohleabbau aufgenommen, um das ab 1971 in Betrieb gehende Kraftwerk Boxberg versorgen zu können.

Wegen des Tagebaus wurden bisher die Ortslagen Tzschelln, Teilortslage Mühlrose und Teilortslage Nochten aufgegeben und zukünftig werden Teile von Trebendorf beansprucht. Der Ortsabbruch von Tzschelln erfolgte 1979. Die amtliche Umsiedlerzahl wird mit 195 Personen angegeben. Für die F 156 im Abschnitt Nochten-Weißwasser wurde eine Ersatztrasse (heute B 156) um den östlichen Teil des Abbaugebietes gebaut.

Das Kraftwerk Boxberg wurde mehrfach erweitert und war mit einer installierten Leistung von 3.500 MWel in den 1980-er Jahren das größte Braunkohlenkraftwerk der Welt. Zu seiner Versorgung diente zunächst ab 1971 für wenige Jahre der benachbarte Tagebau Lohsa.

Nach 1973 wurde der Großtagebau Nochten zum Hauptversorger des erweiterten Kraftwerks Boxberg und von 1976 bis 1992 lieferte auch der Tagebau Bärwalde sowie 1987 bis 1999 zusätzlich der Tagebau Reichwalde Kohle an das Großkraftwerk. Der Tagebau Nochten wurde 1990 aus dem VEB BKW Glückauf in die LAUBAG überführt und 2003 von der Vattenfall Europe Mining AG übernommen.Heutzutage sollen mit der in den Tagebauen von Nochten und Reichwalde (ab April 2010 wieder in Produktion)  gewonnenen Braunkohle insbesondere das Kraftwerk Boxberg beschickt werden, das nach Stilllegung veralteter Kraftwerksteile und Neubau eines 900 MWel -Kraftwerksblocks eine Bruttoleistung von 1.900 MWel aufweist und ab 2012 um einen Block mit 675 MWel erweitert ist.

Ende 2006 äußerte Vattenfall Europe Mining AG die Absicht, den im Braunkohlenplan 1994 zusätzlich zum laufenden Abbau als Vorranggebiet Braunkohlengewinnung gesicherten Lagerstättenteil in Anspruch zu nehmen. Das Braunkohlenverfahren bzw. erste Gesamtfortschreibung bezüglich dieses Abbaugebiets 2 wurde daraufhin vom Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien im Einklang mit den energiepolitischen und landesplanerischen Vorgaben im Jahr 2007 aufgenommen. Mit der Erweiterung des Abbaugebietes war vorgesehen, die Orte Mühlrose, Mulkwitz, Rohne und die südlichen Teile von Schleife mit insgesamt ca. 1.640 Einwohnern umzusiedeln, außerdem sollten das Gewässer Struga sowie die Ortsverbindungsstraße Trebendorf–Schleife–Neustadt/Spree verlegt werden.

Aufgrund veränderter energiepolitischer und -wirtschaftlicher Rahmenbedingungen erklärte Ende März 2017 der jetzige Tagebau- und Kraftwerksbetreiber, die LEAG, dass zur Versorgung des Kraftwerks Boxberg zusätzlich zu Abbaugebiet 1 nur noch ein Teil des Abbaugebiets 2, das Teilfeld Mühlrose, erforderlich ist. Damit reduzieren sich die Umsiedlungen auf 200 Bewohner von Mühlrose, die o. g. Gewässer- und Straßenverlegungen werden nicht mehr notwendig. Schließlich ergibt sich aus dem verkleinerten Abbau auch eine geänderte Restlochkonfiguration (künftiger Restsee) und Bergbaufolgelandschaft. Nach Prüfung und Abstimmung mit den obersten Landesbehörden für Landesentwicklung sowie Wirtschaft und Energie beschloss der die Verbandsversammlung am 21. Juni 2017 eine Anpassung des Braunkohlenplans durch eine zweite Gesamtfortschreibung.

Mit der erneuten Fortschreibung des Braunkohlenplans Tagebau Nochten wird der raumplanerische Rahmen für die bergrechtliche Betriebsplanung (Teilfeld Mühlrose und rückwärtige Änderung der Bergbaufolgelandschaft) und die Gemeindeentwicklung (Bauleitplanung, Entwicklungskonzeptionen) abgesteckt, um über den verbindlichen Abbau hinaus das Teilfeld Mühlrose auszukohlen und im Plangebiet insgesamt die verschiedenen Raumnutzungen zu ordnen. Dies bringt Klarheit und Rechtssicherheit für Bergbautreibende, Bürger, Unternehmen und Kommunen. Als Folge des Abbaus wird Zug um Zug eine neue Kultur-, Natur- und Erholungslandschaft geschaffen, die sich an den bestehenden Strukturen orientiert und in anderen Bereichen des Tagebaus (z. B. Hermannsdorfer See, Schwerer Berg) bereits realisiert wird. Insofern enthält der Braunkohlenplan nicht nur Vorgaben für den Bergbau und die Folgelandschaft, sondern eröffnet eine langfristige Perspektive für die Region insgesamt und ihre Siedlungs-, Landschafts-, Wirtschafts- und Infrastrukturentwicklung.